... und Maiden, unsere Siam-Schönheit, von der wir an dieser Stelle kein Bild haben..... |
Leider kein Original Bild aus Murcia vorhan-den |
....
Unser Vorsitzender Jörg und ich beantragten kurzfristig Urlaub und bereits Donnerstag früh um 8.00 Uhr ging die Reise los: Im Herzen die Vorfreude auf die Rettung und das neue Leben unserer Schützlinge ... und die tiefe Traurigkeit darüber, dass wir nicht mehr Tiere mitnehmen können.... Bei anderen Fahrten in „Tierschutzmission“ wussten wir, auch wenn wir nicht jedem Tier ein Leben in einer neuen Familie schenken konnten, konnten wir doch vor Ort helfen.... mit Futter, Medikamenten, Baumaterial, Kastrationen. In Murcia war die Schließung und die Tötung so gut wie beschlossene Sache. Da galt nur noch zu retten, wer zu retten war.
Der Weg nach Murcia – die Stadt liegt in der Nähe von Alicante – führte uns von Regensburg nach Karlsruhe, über Frankreich nach Spanien. Etwa 2100 km lagen um acht Uhr morgens noch vor uns. Was würde uns erwarten? Würden wir das Todeslager von Murcia mit seinen engen, schmutzigen Löchern und den Hunderten von verelendenden Tieren sehen? In welchem Zustand waren „unsere“ Hunde und Katzen?
Da wir so schnell wie möglich an unserem Ziel sein wollten, fuhren wir ohne große Unterbrechung. Immer die schrecklichsten Bilder vor Augen, konnten wir uns kaum an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten...
Um 5.00 Uhr am Freitag in der Früh, nach 21 Stunden Fahrt, kamen wir an. Andie, hatte – während wir schon unterwegs waren – über ein Forum Eva um Hilfe gebeten, die mit ihrem Mann Werner schon seit Jahren in Spanien leben und selber aktiv Tierschutz betreiben. Diese beiden tollen Menschen und Ihre zurzeit sieben Hunde nahmen uns sehr herzlich in Ihrer kleinen Finca auf, damit wir uns vor der Rückfahrt am nächsten Tag ausruhen konnten.
Samstag um 7.00 Uhr morgens trafen wir uns dann mit Bärbel vom Tierschutzverein Salvanos, die in Aspe ein kleines Anwesen hat, auf dem unsere 12 Hunde und 2 Katzen für die Nacht untergebracht waren. Von Bärbel erfuhren wir auch, dass kaum noch jemand das Lager in Murcia betreten durfte. Zu schlimm seien die Zustände dort. Die Katzen würden schon seit längerer Zeit nicht mehr gefüttert... mittlerweile herrsche dort Kannibalismus. Tierschützer, die das Lager noch betreten durften, berichteten von vielen Katzenskeletten..... 200 Katzen auf engstem Raum eingesperrt, voller Angst und schrecklichem Hunger... Die Hunde... im Dreck, nur mit wenigen Abfällen gefüttert... Man braucht kein phantasiebegabter Mensch zu sein, um sich die Angst, die Not und die Schmerzen vorstellen zu können. Glauben die einheimischen Menschen dort wirklich, dass Tiere nicht fühlen können???
Der nächste Schock: unsere Hoffnung, dass sich möglichst viele Vereine wie wir auf dem Weg gemacht haben – eine falsche Hoffnung. Nur wenige Tiere wurden bisher aus dem Lager geholt... Trotz unermüdlichen Bemühungen der Tierschützer von Salvanos. Sie „katalogisieren“ so viele Tiere wie möglich, scheren, messen sie, stellen sie ins Internet, damit Helfer sie vormerken können und vor Abholung die nötigen Papiere von einheimischen Tierärzten für die Ausreise ausgestellt werden können. Sie werden tagtäglich direkt vor Ort mit den entsetzlichsten Zuständen konfrontiert...
„Unsere Schützlinge“ sahen wir das erste Mal im Dunkeln – hinter einem Zaun in einem kleinen Gehege: Bis auf einem kleinen Hund, der in einer Ecke gedrückt bewegungslos lag – wir nannten sie „Hope“ - und einem anderen kleinen vollkommen verängstigten Hund – unsere süße Hannah - standen alle am Zaun und beäugten uns äußerst misstrauisch. „Was passiert jetzt mit uns?“ Was machen diese Menschen mit uns?“ „Schlagen?“ Wir glaubten nicht, dass sie etwas Gutes von uns erwarteten. Und trotzdem ließen sie sich problemlos Halsbänder und Leinen umlegen. Sie ergaben sich ihrem Schicksal einfach. Als wir sie in ihre Transportboxen führten, merkten wir erst, wie ausgehungert, schmutzig, teilweise mit starken Bisswunden übersät sie waren. „Unsere“ zwei Katzen waren in keinem besseren Zustand. Vor allem der kleine Kater machte uns Sorgen... ich habe noch nie so ein dünnes Tier gesehen... Und wieder kämpfte in uns die Freude mit der Verzweifelung... Und die Hoffnung, dass alle Tiere die lange Rückfahrt gut überstehen würden.
Der kleine Tiger-Kater fuhr auf meinem Schoß in seiner Box mit... zu groß war die Angst, dass er hinten im Wagen einfach stirbt...
Zurück ging die Fahrt etwas langsamer – immer wieder unterbrochen durch Staus, Mautstellen und kurzen Pausen, in denen wir unseren vierbeinigen Spaniern immer wieder Wasser und Frischluft anboten. Rausholen konnten wir sie nicht, ohne ihnen noch mehr Stress zu bereiten, denn sie alle drückten sich starr vor Angst in die hintersten Ecken ihrer Transportboxen. Fast unheimlich war die Stille im Inneren des Wagens. Kein Bellen, kein Jaulen. 27 Stunden Stille. Maiden, wie wir die schöne Siamkatze nannten, starrte uns nur mit Ihren türkisfarbenen Augen an... als wenn sie in unsere Seelen schauen wollte...
Der Rückweg: Spanien, Frankreich, Schweiz, Österreich... Zeit genug, Tränen für alle zurück gebliebenen Tiere zu vergießen. Zeit genug davon zu träumen, wie es wäre, wenn Menschen verantwortungsbewusst und von Zuneigung getragen mit schwächeren Lebewesen umgehen würden - und nicht alle Aggressionen und Dummheit an den Wehrlosesten ausgelassen würden. Verdammt noch einmal: Warum nennt der Mensch sich die „Krönung der Schöpfung“ und quält und missbraucht Kinder? Und behandelt Tiere, als hätten diese von der Schöpfung keine Seele geschenkt bekommen??
27 Stunden Zeit um nachzudenken, warum so viele Menschen nicht denken, nicht fühlen... Der wahre Spruch „So lange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken“ begleitete uns jeden Kilometer...
27 Stunden Zeit, um S 16 oder B 3 Namen zu geben: Hope, Bandido, Maiden, Jesse, Rocky, Moon... Zeit genug, um sich in jedes einzelne Tier zu verlieben.
Sonntagmittag Ankunft in Regensburg. In einer Lagerhalle haben wir die ängstlichen Fellbüschel endlich aus ihren Boxen befreit. Tierfreunde kamen zur Begrüßung und um einige unserer „Glückskinder“ in Pflege zu nehmen. Aber erst einmal raus aus den Boxen, Wassernäpfe, Futternäpfe und ein kurzer Gang auf die Wiese.... WIESE! Die sahen sie wahrscheinlich zum ersten Mal im Leben. Die Gegend aus der sie stammen, ist staubtrocken, das Lager aus dem sie kommen, eingeteilt in winzige Boxen, mit Dreck bedeckt... Aber jetzt: Wiese, freundliche, sanfte Worte, langsame Bewegungen (ein Elend: jede schnelle Bewegung lies sie am Boden kriechen – wie oft wurden sie geschlagen?) und STREICHELNDE HÄNDE. Kaum eines dieser Tiere hat jemals erfahren, was für ein schönes Gefühl das ist. Hände bedeuteten für sie Schmerz, Bedrohung...
Schlich sich jetzt ein wenig Hoffnung in ihre traurigen Augen? Unsere kleineren Wusel tauten ein wenig auf – aber die zwei Schäferhunde Bandido und Danah, die wunderschöne weiße, traurige Moon, der arg zerbissene Rocky und Jesse, der auch schon einige Kämpfe und wohl auch Misshandlungen hinter sich hatte, glaubten wohl nicht an ein besseres Leben... Hope mit dem schlimm aussehenden Auge, das sicherlich sehr schmerzte, versuchte immer noch so zu tun, als wenn es sich gar nicht gäbe. Überlebensstrategie. Auch der kleine graue Buffy hörte kaum auf zu zittern...
Nachdem sich alle Tiere ein wenig bewegen konnten, ging es mit denen, die in Regensburg keinen Platz gefunden hatten, weiter. Cooper konnte direkt in sein neues Zuhause...
Diesmal löste Andie unseren Helden aller Autobahnen Jörg (der die meisten Kilometer am Steuer saß) ab und fuhr mit mir weiter.... Weitere 600 km Fahrt, um den Rest unseres geretteten Rudels in ein neues Leben zu entlassen.
Am Ziel angekommen, kamen einige Hunde in ein großes begrüntes Freigehege mit Wiese, Decken, Hütten... und wieder streichelnde Hände, beruhigende Worte. Quittiert von ängstlichen Blicken und zaghaftem Entgegenkommen.
Unsere kleine Siam-Schönheit Maiden konnte ihr Glück kaum fassen: In Ihrem „Zimmer“ war alles sauber und ruhig: keine beißenden Katzen, tote Katzen. Keine Enge, kein Stress. Nein: Ein voller Futternapf, viele weiche Kissen, versteckte Höhlen. Und Ruhe und Licht. In jede Höhle und in jedes Körbchen steckte sie ihre Nase. Streckte sich und fraß... das erste Mal seit einer gefühlten Ewigkeit.
Zwei Stunden blieben wir mit den Hunden im Gehege. Streichelten, flüsterten, fütterten bis es Zeit für die Rückfahrt war. Es war so schwer, sie nicht selber aufnehmen zu können... Aber es war so schön, sie so gut und liebevoll aufgenommen zu wissen.
Es ging mir durch und durch, als sich die Schäferhündin Danah vor mir auf den Rücken legte, sich an der Decke rieb und langgezogen jaulte... das erste Geräusch, das ich von ihr hörte. Man braucht kein Hundeflüsterer zu sein, um zu verstehen, was sie meinte: Danke!
Und das war alles wert: jeder Euro, jede Mühe, jede durchgefahrene Nacht, jede traurige Nachricht über das Elend der Tiere von Murcia, jede dumme Bemerkung über Auslandstierschutz!
Am Montag wurden alle Tiere von Tierärzten durchgecheckt und ärztlich versorgt... Obwohl das Leben an ihnen viele Spuren hinterlassen hat, werden sie mit einer ordentlichen Versorgung und liebevoller Pflege bald putzmuntere treue Gefährten sein. Jetzt fehlen zu ihrem Glück nur noch die Menschen, die ihnen für den Rest ihres Lebens zeigen, wie schön ein Hunde- oder Katzenleben sein kann!
Meldet Euch bei uns, wenn Ihr unsere Hunde und Katzen aus Murcia kennen lernen und adoptieren möchtet!
Am liebsten würden wir gleich morgen wieder los fahren in Richtung Murcia. Aber sowohl unser eigenes als auch das Guthaben unseres kleinen Vereins sind vorerst erschöpft... Wir warten nur auf unser nächstes Gehalt, das nächste Plus auf dem Konto, auf die nächsten End- oder Pflegeplätze... und stehen hoffentlich bald wieder vor den Toren von Murcia....
An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei den Menschen bedanken, die uns geholfen haben:
- Den Tierschutzvereinen „Salvanos“ und „Tierschutz Europa“ für ihren unermüdlichen Einsatz
- Bärbel aus Aspe/Spanien, die alles was sie kann für die Tiere in der Hölle von Murcia macht und 10-12 Stunden am Tag für die Spanischen und Deutschen Tierschützer übersetzt
- Eva und Werner – Ihr seid wirkliche Schätze. Viele Streichler an Euer tolles Rudel. Es war schön, Euch kennen lernen zu dürfen
- Allen Menschen, die unsere Tiere zuhause aufnehmen, grundlegende Dinge beibringen, viel Geduld aufbringen und ihnen Liebe geben, bis sie eine eigene Familie gefunden haben. Ohne unsere verantwortungsvollen Pflegefamilien hätten wir kaum etwas ausrichten können.
- Allen Hunden und Katzen dieser Pflegefamilien, die ihr Körbchen, den Napf und vor allem Frauchen und Herrchen freundlich mit unseren Sorgenkindern teilen
- Ganz besonderen Dank an Birgit, noch mal Birgit, Mandy, Chrissy und allen anderen... ihr seid unschlagbar – mehr Menschen wie Euch und es gäbe kein Tierleid mehr
- Und in eigener Sache möchte ich Jörg danken, der die Verzweifelung und Traurigkeit, die bei so einer Aktion immer mitfährt, mit mir geteilt hat und es trotzdem immer wieder schaffte, mir durch seine 1001 Witze während der langen Fahrt mehrere Grinsen ins ungewaschene und übernächtigte Gesicht zu zaubern. Harte Schale, weicher Kern...
Nachtrag vom 01.09.2008
Mittlerweile – nach einer Woche – habe ich einen Großteil unserer Tiere aus dem Todeslager von Murcia besucht. Und mit unseren Pflegefamilien stehen wir natürlich in regem Kontakt:
Kater Merlin hat 350 Gramm zugenommen, ist ein verschmuster Schatz und der größte Liebling des Familienhundes geworden. J Bea, die Pflegemama, wird ihn nicht mehr rausrücken. Merlin darf bei ihr bleiben. Und sie hat sich schon als Pflegemama für das nächste Kätzchen aus Murcia angeboten! Vielen Dank!!! Du bist ein Schatz!
Hope’s Pflegemama berichtet, dass sie langsam auftaut, lernt und Vertrauen fasst. Ihr verletztes Auge, das ihr wohl sehr große Schmerzen verursacht hat, wird behandelt. Es ist zwar nicht mehr zu retten, aber schmerzfrei. Und es macht sie unverkennbar und einzigartig! Einzigartig ist auch Sabrina, die Pflegemama, die die erste gemeinsame Nacht mit Hope im Bad geschlafen hat, damit sie sich nicht einsam und verlassen fühlt! Mittlerweile schlafen weder Sabrina noch Hope im Bad, sondern haben sich flauschigere Plätzchen gesuchtJ Danke Sabrina! Hope hat durch Dich wohl zum ersten Mal so etwas wie Fürsorge erlebt!
Die stumme und traurige Moon hat angefangen zu bellen, der „gefährlich“ aussehende Bandido entwickelt sich zur Schmusebacke – wenn er auch häufig noch etwas reserviert ist. Die völlig verängstigte Hannah lässt sich vorsichtig streicheln, der zerbissene Rocky freut sich seines Lebens, dass er nicht mehr gemobbt und weggebissen wird und riskiert selber eine „dicke Lippe“J. Die ausgemergelte Danah ist der sanfteste Hund, den man sich vorstellen kann und Buffy, der geschorene und klapperdürre „irgendwas Hund“ (erst wenn er wieder Fell auf den Rippen hat, kann man wohl erkennen, was er eigentlich ist) hat aufgehört zu zittern. Freddy, der kleine misstrauische rote „Fuchs“ hat sich in Moon verliebt... Nur um von einigen unserer Spanier zu reden...
ALLEN geht es gut und das Unglaublichste: sie haben sich ohne Ausnahme ihr liebes, zärtliches und friedfertiges Wesen erhalten. Nicht die geringste Aggression steckt in ihnen – dabei könnte man verstehen, wenn sie bös’ und bissig wären... Bei all dem Leid, den sie durch Menschenhand erlebt haben!
Wir haben uns in jeden einzelnen dieser vierbeinigen Spanier verliebt. Die Situation in Murcia lässt uns verzweifeln.... Aber sie geben uns Mut und die Kraft weiterzumachen.
Die nächste Fahrt ist schon in Planung. Also helft uns bitte. Schaut auf unsere Veröffentlichungen der nächsten Tiere – meldet Euch, wenn Ihr ein Tier zur Pflege oder für fest aufnehmen möchtet.
Wenn Ihr das nicht könnt, helft uns, damit wir für die Freilassung (kostet Gebühr), die ärztlichen Untersuchungen und die Folgekosten aufkommen können.
Ruft an, wenn ihr Fragen habt – wir nehmen uns alle Zeit der Welt für Euch und klären Euch über alle evtl. Risiken auf. Und erzählen Euch von den Freuden, die Euch erwarten.
Eure Anja (Revisor Lucky Animals e.V.)
Happy End..................
... von Minipudel(wusel) Chacko haben wir momentan leider noch keine neuen Fotos… aber es geht ihm bestens und er hat wohl im Augenblick Besseres zu tun, als vor der Kamera still zu stehenJ Fotos werden nachgereicht, sobald er sich ausgetobt hat!
Ihr möchtet adoptieren??? Meldet Euch bei uns!!!