Gestern ist unsere kleine naive Welt, in der (fast) alle Tierschützer gut und voller Herzenswärme, lieb und voller Fürsorge sind, endgültig zusammengebrochen.
Wir möchten – nein wir MÜSSEN uns bei einigen unserer felligen Schützlinge aus tiefsten Herzen entschuldigen.
v Für unser Versagen
v Für unser fast blindes Vertrauen
v Für unsere Naivität
v Für unverzeihliche Gutgläubigkeit
Und dafür, dass wir eine Pflegestelle, mit der wir seit einem guten Jahr sehr eng zusammen gearbeitet haben, nicht VOR ORT kontrolliert haben.
v Fast tägliche, lange und intensive Telefonate
v Ein Netzwerk voller Querverbindungen von einer zur anderen Pflegestelle
v Persönliches Kennen durch Veranstaltungen, Fahrketten, Übergaben
v Ein gutes Erscheinungsbild und eine gewisse Bildung
v Berufliche Qualifikation (u.a. das Führen einer Hundeschule, Futtermittelhandel)
v Sportliche Qualifikation (Dog-Dancing, Agility mit Auszeichnungen)
v Haus und Grundstück
.... All das hat uns geblendet und eine persönliche Vorkontrolle vor Ort nicht wichtig erscheinen lassen. Zumal die uns zur Verfügung gestellten Bilder der Tiere ein perfektes Leben vermittelt haben. Was wir nicht wussten: Kein Bild zeigte anscheindend das eigene Zuhause.
Am 10. Juli 2010 ist unser Glaube an unsere Menschenkenntnis ein großes Stück weit zusammengebrochen.
Wir haben das Haus und den Ort, an denen einige unserer Schützlinge, dazu eigene Hunde und unzählige Meerschweinchen leben mussten, das erste Mal gesehen.
DAS IST UNSERE SCHULD. WIR SIND ENTSETZT. WIR SIND BETROFFEN. WIR FÜHLEN UNS SO SCHULDIG. WIR SIND SCHULDIG
Das ganze Haus zugemüllt mit Dreck, Kot, Urin, Essensreste, schmutziges Heu, Geschirr.... angesammelt in Monaten, wenn nicht Jahren. Draußen 37 Grad, drinnen große Hitze und ein bestialischer Gestank. Beschreiben können wir das Grauen nicht annähernd.
Und inmitten dieses Elends Hunde, die aus Tötungslagern eigentlich in eine umsorgtes, liebevolles, gepflegtes, LEICHTES... schönes Leben gehen sollten. Lucky Animals-Tiere. Aber nicht nur Lucky Animals Tiere.
ES IST UNSERE SCHULD. WIR HÄTTEN UNS NICHT AUF WORTE, VERSPRECHUNGEN, ÄUßERES ERSCHEINUNGSBILD VERLASSEN DÜRFEN!
Aus rechtlichen Gründen stellen wir keine Bilder ein. Aber wir scheuen uns nicht, diesen Vorfall publik zu machen. Wir wollen nichts unter den Tisch kehren. Wir wollen unser Versagen nicht verheimlichen.
Der gesamte Vorstand von Lucky Animals e.V. übernimmt die volle Verantwortung und stellt sich der Kritik. Und wir ziehen unsere Konsequenzen und nehmen das Leid, dass wir durch unser vertrauensvolles und sicherlich auch naives Verhalten unseren Schützlingen zusätzlich bereitet haben zum Anlass, aus unseren Fehlern zu lernen.
Wir sind fassungslos: jede kleine Pflegestelle, jede Adoptantenfamilie wird kontrolliert – nur unsere – wie wir dachten – beste Pflege- und Vermittlungsstelle konnte uns so täuschen. Weil wir auf äußere Gegebenheiten geachtet und auf die Meinung vieler verschiedener Menschen gehört haben. Vor allem unserer Urteilskraft vertraut haben. Uns so sehr blenden lassen haben.
Leider leider leider können wir nicht versprechen, dass uns nie wieder Fehler passieren. Aber wir können versprechen, dass wir uns noch mehr Mühe geben, alles richtig zu machen.
Und wir bitten jeden Tierschützer, noch genauer hinzusehen. Bitte meldet Euch bei uns, wenn Ihr Zweifel an der Qualifikation einer Pflege- oder auch Adoptantenfamilie habt. Natürlich werden wir jedem Verdacht nachgehen - und die Meldung vertraulich behandeln.
Konsequenzen:
Pflegestellenverträge sind ab sofort nur noch rechtswirksam, wenn sie mit einem Vorstandsmitglied von Lucky Animals e.V. schriftlich geschlossen wurden oder mit einer Person des Vertrauens durch schriftliche Vollmacht.
Schutzverträge sind ab sofort nur noch rechtswirksam, wenn sie mit einem Vorstandsmitglied von Lucky Animals e.V. geschlossen wurden oder mit einer Person des Vertrauens durch schriftliche Vollmacht.
Vorkontrollen sowie Nachkontrollen sind zwingend schriftlich nach Augenschein zu dokumentieren. Es wird KEINE Ausnahme mehr geben.
An dieser Stelle sei noch gesagt, dass wir schon immer sehr großen Wert auf Kontrollen gelegt haben – aber nun werden die Kontrollen noch schärfer sein.
Wir werden in Zukunft noch mehr achten – achtet Ihr bitte mit.
Der Vorstand, 12. Juli 2010